Aufwachen!

„Hass? Kenn‘ ich nicht.“ Das möchte ich sagen. Und auch so meinen. Ich will nicht mehr hassen. Doch diese Welt macht es mir da echt schwer: Nazis, Neoliberalismus, Vorratsdatenspeicherung, …und schlechtes Radio.

Während ich vieles meist einfach ausblenden kann, ist das mit dem Radio eher schwer. Ich brauche beim Aufstehen einfach Radio. Damit ich wach werde, muss mich etwas bedudeln. Außerdem muss ich ja irgendwo her erfahren, wie das Wetter wird und was sonst in der Welt so abgeht. Ohne Radio geht also nicht. Keine selbsterstelle Auswahl der besten Musik meines Musikarchivs und kein ausgedruckter Nachrichtenüberblick inklusive Wetter kann das Radio am Morgen ersetzen. Leider.

Und was ich mir da am Morgen so reinziehen muss, das ist teilweise schon verdammt hart. „Morgenhans und die schöne Tschechin Susanka“, „André und die Morgenmädels“, „Rockenberg und Na-Na-Na Nadine“, „Fett geweckt“, „Knallwach mit Freddy“ und die ganzen anderen Abgründe, die sich da auftun. Und das sind ja nur die Namen.

Leute aus dem Bett klingeln, das ist vielleicht einmal, oder zur Not auch zwei Mal, ganz witzig. Aber jeden Morgen die selbe Leier, das nervt. Ja, die Leute werden irgendwie unter Vorgabe eines total falschen Grundes aus dem Bett gehauen. Aber meistens sind die eh schon wach, und erkennen an der Stimme und auch an der Sinnlosigkeit des angeblichen Grundes, dass es sich nur um einen „Scherz“ handelt. Und sowieso sind Telefonspiele total langweilig. Ich will auch nicht wissen, wie wer von irgendeinem Hotline-Mitarbeiter die persönliche Handynummer bekommt.

Und dann immer irgendwelche pseudo-witzigen Sprüche zwischendurch. Sprüche, die nicht selten auf die Kosten von Randgruppen gehen. Sprüche, die meist unter der Gürtellinie sind. Sprüche, die einfach total unlustig sind. Sprüche, die einfach total nervig sind. Einfach total flache Sprüche. Nichts mit Tiefsinn.

Bin ich denn wirklich der Einzige, der noch etwas Verstand mitbringt? Haben die anderen vernünftigen Menschen schon abgeschaltet? Die Geschichten, die da immer aufgetischt weden, sind doch total an den Haaren herbeigezogen. Reiche Russen, die Autos an schöne Moderatorinnen verschenken, damit diese mit ihnen schlafen. Anwälte, die im Studio abgestellt werden, um zu überwachen, ob die Sprüche politisch korrekt sind. Weihnachtsfeiern, bei denen sich Moderatorinnen an den Chef ranwerfen. Und noch viel mehr solcher Quatsch.

Ganz ähnlich läuft das mit diesen Phantasiefiguren der Moderierenden. Nein, das ist dann nicht Frederike, sondern Freddy. Und nicht Hans, sondern der Morgenhans. Und nicht Susanne, sondern die schöne Tschechin Susanka. Und der „Morgenhans“ ist total asozial, hatte noch nie eine Freundin, wäscht sich nicht und ist sowieso total unbeliebt. Klar. Wer’s denn glaubt.

Und was wird mir zum Frühstück so schönes aufgetischt? Britney Spears ist schwanger, George Clooney hat ’ne Neue und Jay-Z trennt sich von Bejonze. Wen interessiert das denn?

Das gesamte Morgenprogramm ist eine Mischung aus Daily-Soap und vertontem Boulevard-Blatt.

DAS NERVT!

(Okay, ich gebe zu, das Ganze ist jetzt sehr geprägt durch meine letzten Monate, in denen ich BigFM ertragen musste. Aber nicht nur.)

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