Generation »Webkommunismus«

Viel wird ja rumpalavert, welche Generation gerade aktuell ist, und wie sie heißt. Vodafone in Gestalt von Sascha Lobo (oder andersherum) meinte ja, derzeit wäre es die Generation »Upload«. Dem möchte ich widersprechen. Denn es ist nicht nur so, dass die Menschen da draußen das Internet dadurch bestimmen, dass sie Dinge hochladen. Sie liefern den Content nicht nur zum Großteil selbst, sondern sie nehmen sich ihn einfach auch ohne darüber nachzudenken. Einfach weil es möglich ist.

Ich muss ja nicht viel erzählen darüber, dass wir uns alle wahrscheinlich schon mehr oder weniger illegal Musik oder Kinofilme einfach gratis im Internet besorgt haben – oder zumindest Menschen kennen, die das machen. Da sind uns irgendwelche Eigentumsrechte ganz egal. Wir nehmen uns einfach das, was wir brauchen und machen damit, was wir wollen. Und das nicht nur in Tauschbörsen, sondern auch in vielen anderen Dingen.

Brauchen wir ein Bild, gehen wir zur Google Bildsuche, geben das Suchwort ein, finden ein Bild und nutzen es einfach. Scheißegal, wer das Bild erstellt hat und ob das „Eigentum“ von irgendwem ist. Tumblr hat diese Methode sogar zu einem System gemacht. Dort werden von vielen Menschen einfach nur Bilder gepostet, die sie irgendwo im Internet gefunden haben und toll fanden. Und andere Menschen können diese Bilder dann relativ einfach mit zwei Klicks in ihrem eigenen Tumblr reposten.

Aber es ist nicht so, dass wir uns nur nehmen. Nein, wir geben auch einfach ohne uns große Gedanken darüber zu machen. Wir schreiben relativ selbstlos an Wikipedia-Einträgen und erwarten dafür keinen Ruhm, denn die Autor_innen sind bei Wikipedia ja wohl das Unwichtigste. Niemand interessiert sich für sie. Aber das stört auch niemanden. Genauso selbstverständlich, wie wir uns einfach das Zeug, was wir brauchen, aus dem Internet nehmen, geben wir unser Wissen oder Können dem Internet.

Das ist bei Blogs ja nicht viel anders. Die meisten Blogs sind zwar nicht von großer Relevanz, aber sie werden auch nicht mit dem Ziel betrieben, damit Geld zu verdienen. Da schreiben Menschen einfach das rein, was sie wissen und denken oder zeigen, was sie können. Und erwarten dafür keine Gegenleistung. Und irgendwer wird diesen Content auf jeden Fall nutzen – Google bringt die Leute immer genau dort hin, wo sie das finden, was sie brauchen. Und so werden viele Leute ganz zufällig in irgendwelche kleinen Blogs gespült und ziehen (im besten Falle) in dem Moment einen Nutzen aus dem Inhalt dort.

Aber auch bei beispielsweise Qype schreiben wir eine Bewertung des kleinen Cafés, das wir kürzlich mal besucht hatten. Oder wir stellen unsere Fotos bei Flickr ein. Oder programmieren an Open Source-Software. Oder helfen uns in Foren oder Frage-Antwort-Diensten (wie Yahoo Answers) aus. Oder bauen kostenlose Web-Anwendungen. Oder, oder, oder…

Wir machen uns keine Gedanken, was Inhalte Wert sind. Wir tauschen einfach aus. Uns ist egal, ob irgendwelche Rechte an etwas hängen und erwarten (in den meisten Fällen) auch nicht, dass irgendwelche Rechte an unseren selbsterstellen Inhalten beachtet werden.

Im Internet sind wir fast alle gleich. Ein Internetzugang ist mittlerweile verdammt günstig und quasi jede_r hat einen. Und die meisten und größten Webdienste sind (fast) komplett kostenfrei zu nutzen. Google, Facebook, Twitter, Qype, Flickr, Tumblr, WordPress und so weiter – alles kostenlose Dienste. Prinzipiell ist uns erst auch einmal egal, wer unser „Gegenüber“ ist. Wir reden mit allen. Wenn es aus dem Real Life nicht noch gewisse Unterschiede im Bildungsniveau gäbe, wäre es fast eine klassenlose Gesellschaft, diese Netzgemeinde.

Stellen wir fest: Alle machen genau das, was sie wollen und was sie am besten können. Geld spielt meist keine Rolle. Alle sind prinzipiell gleich. Es gibt kein Eigentum an irgendetwas. Das klingt doch ganz stark nach Kommunismus. Deshalb beahupte ich: Wir sind die Generation »Webkommunismus«.

Und mit »Wir« meine ich im Zweifelsfall genau die Menschen, die genauso denken und handeln, wie ich.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu Generation »Webkommunismus«

  1. Christian sagt:

    Kommunismus würde hier ja bedeuten: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“

    Das ist ja aber nicht der Fall.

    Die Leuten ziehen größtenteils aus dem Netz, die Finanzierung erfolgt dann über Werbung, wer keine Werbung anziehen kann, zahlt drauf und muss es sich leisten können, wenn er sehr große Zugriffszahlen generiert.

    • Profilbild von sa_hne sa_hne sagt:

      Nein, die meisten Dienste – wie WordPress, Blogsport, Flickr und so sind zwar in der Basis-Edition in ihrer Funktionalität beschränkt, aber doch kostenlos. Und klar, Viele ziehen nur aus dem Netz, aber nicht die Meisten. Die Meisten geben auch: Über Facebook, über Twitter, über Tauschbörsen, über Blogs ohne Relevanz – böse ausgedrückt: Sie geben das, was ihre Fähigkeiten hergeben. (Ha, und so habe ich total unempirisch dein Argument einfach so widerlegt! Jedenfalls in meinen Augen.)

      • Christian sagt:

        Sie sind kostenlos, weil werbungsfinanziert. Die Leute geben an diese Unternehmen insoweit ihre Kundendaten und das Recht sie mit Produktinformationen zu versehen.

        Dahinter steht keine Freigiebigkeit, sondern Imagepflege, Profitorientierung und Management.

        Sicher, wordpress und Co sind da noch sehr harmlos. Sie leben aber auch davon, dass sie kostenlose Versionen anbieten und die Leute dann auch ihre höheren Produkte kaufen. Da gibt es sicherlich genug, die es sich leisten könnten, aber trotzdem den Umsonstservice nutzen. Google und Facebook sind dann wieder wesentlich kommerzieller ausgerichtet, auch wenn ich die Produkte gut finde und täglich nutze.

        All diese Produkte bestehen im Endeffekt nur, weil eine kapitalistische Gesellschaft dahinter steht, die sie unterhält, die Werbung zuläßt, die den Menschen erlaubt genug Geld zu verdienen um sich ihren Freizeitvergnügen hinzugeben.

        Wenn WordPress/blogsport etc Finanzprobleme hätte, weil der Serverpark zu teuer wird, dann würden wir diesen Diensten den Rücken kehren und den nächsten Umsonstdienst aufsuchen, der besser aufgestellt ist und nicht nach unseren Möglichkeiten geben um es weiterzuführen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.